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Fusion ain’t Confusion oder wie aus Singles ein Paar wird

Gedanken über eine erfolgreiche Lions Club Fusion von Michael Hohensee

Am 29.Juli 2011 - ein Freitagabend und wie so oft in diesem Sommer 2011 bis mittags noch recht verregneter Tag, endete meine Präsidentschaft 2010/11 bei mildem, nun auch tropfenfreiem Wetter im wunderschönen Garten unseres Gründungspräsidenten Bernd Stephan. Genauer müsste ich jetzt schon sagen eines der Gründungspräsidenten.

Dieser Freitag war ein ganz besonderer Abend - besonders für mich und besonders für Johannes Michels unseren neuen Präsidenten, der bereits perfekt vorbereitet unser neues Lionsjahr eingeläutet hat - mit gedruckter Terminliste und CD-gebrannten Bildern von unserer kurz zuvor stattgefundenen Charterfeier. Ein Lionsjahr geht zu Ende und ein neuer Präsident setzt nun mit seinem Vorstand den eingeschlagenen Weg mit eigenen Ideen und eigener Prägung fort. Ein immer wieder erfreuliches Ereignis, von dem so manch Politiker in der wie-oft-auch-immer verlängerten Legislaturperiode noch lernen könnte.

Grund genug, dass ich mich erinnerte an die ersten Stunden im letzten Sommer 2010, als ich allein über frisch erdachten Aktionsplänen für unseren Club saß. Gerade mit dem Mandat ausgestattet, einen Club für ein Jahr ein Stückchen weiter in die uns allen gemeinsame humanitäre Richtung zu führen, ohne die Freude vor der Türe verkümmern zu lassen. Meine Gedanken waren begleitet von der tiefen Hoffnung - nach dem Verlust einiger Mitglieder, die sich neu orientierten - wieder Stabilität, Zuversicht und frohe Motivation in den achso traditionellen Humboldt-Club zubringen. Mir war klar, dass dies nur über Gemeinsamkeit in den Activities oder/und in der Club-Geselligkeit gelingen könne.
 
So formulierte ich für den Humboldt-Club eine Strategie, an die ich mich auch gern später nach der dann erfolgten Fusion hielt: "AKTIVER, STÄRKER und SICHTBARER". Es war mein Anliegen, mehr Activities als zuvor auf den Weg zu bringen und interessantere Treffen zu gestalten. Zusätzlich wollten wir stärker werden an inneren Werten und an Mitgliedern sowie unsere Sichtbarkeit nach außen erhöhen insbesondere mit Hilfe moderner elektronischer Kommunikationsmedien (Website, Email etc.). Um die Situation im Humboldt-Club zu analysieren, habe ich mich mit fast jedem Clubmitglied zu einem Einzelgespräch getroffen. Es war sehr aufschlussreich und ebenso interessant für mich, heraus zu finden, was uns gemeinsam verbindet und ob es möglich sein würde, mehr Engagement für unseren Club einzuwerben. Das angeregte Nach- und Überdenken hat in der Regel zu einer Stärkung unserer Kräfte geführt, in wenigen Fällen auch dazu, dass sich Mitglieder bewusster darüber wurden, dass sie das nötige Engagement - insbesondere unter den wahrnehmbaren Vorzeichen einer Fusion - nicht mehr aufbringen würden. Ich habe hohen Respekt für die Entscheidung dieser Mitglieder und habe mich bzgl. des Engagements immer über lieber ein klares JA zum Clubleben gefreut, als über halbherzigen Müßiggang.

Im September 2010 kam dann alles anders, unser Club war von einem Tag zum anderen zum dringenden Wachsen gezwungen (worden), da eine Club-Mitgliederstärke unter 20 nicht mehr von unserer geschätzten amerikanischen Zentrale geduldet wurde. Selbst mit besten Dünger wäre ein derartiges Wachstum in nur 3 Monaten für unsere leicht angeschlagene Pflanze mit den kräftigsten und  traditionsreichsten Wurzeln nicht möglich gewesen. Eine Schließung war jedoch auch keine für mich in Frage kommende Option. Wir verbanden doch eine Art Gründungswerte-Gefühl und eine persönliche Verbundenheit untereinander mit unserem Club. Das konnte doch nun nicht einfach so per Dekret beendet werde? Eins war mir sofort klar, DAS durfte nicht sein. Ich würde alles tun, um nicht beim “amerikanischen Aufräumen” weggeblasen zu werden. Wir mussten also ganz schnell so viel Eigengewicht entwickeln, dass uns der Wind, der im Gesicht stand, nichts anhaben könnte.

Das Naheliegendste, eine zügige Fusion mit einem Club, dem gerade ein ähnliches Schicksal widerfährt war das Beste. Was für ein glücklicher Umstand, dass ich nur wenige Tage später im September 2010 bereits mit dem Präsidenten Eckhard Pasewald des Clubs Berlin-Preußen am Tisch saß und nach einem ersten Beschnuppern über eine Konkretisierung unseres Fusionswunsches nachdachte. Es war wie in der Liebe, der Entschluss das Single-Leben als Club zu beenden war nun gefasst, die Richtige zwinkerte uns schon zu - doch es war noch viel zu tun bis zum Traualtar. Neben ersten Liebkosungen, galt es nun, mehr Zeit mit dem Partner zu verbringen und sich mit ihm von einem zum nächsten Rendezvous immer wohler zu fühlen. Alles entwickelte sich sehr schnell, da es von Anfang an eine gegenseitige Anziehungskraft gab - sehr romantisch.

Dank Eckhards großartiger Hilfe war unser Fusionsweg eine Freude und hat mir sehr viel Spaß bereitet. Ein Weg, der auch für die Handelnden eine große Herausforderung war, da es vor allem galt, jedes einzelne Mitglied mitzunehmen. Eine schöne Herausforderung, wenn man am Ende das großartige Gefühl hat, dass ein neues - gemeinsames - Team entstanden ist, mit einem neuen, einem ganz eigenen Charakter. Ich glaube, genau dafür haben wir in nur einem halben Jahr den Grundstein unter Zuhilfenahme (fast) aller geschafft. Natürlich werden wir uns weiter annähern - doch die Grundlagen sind für jeden konkret und greifbar geworden.

Eckhard Pasewald und viele Mitglieder beider ehemaliger Clubs Berlin-Preußen und Berlin-von Humboldt haben in letzten Lionsjahr 2010/11 bedingt durch die Fusion besonders viel persönliche Zeit aufgebracht, wir hatten sehr schöne Stunden miteinander und haben dabei den Zweck unseres Clubs bei den vielen Aktivitäten des Lionsjahres nicht aus den Augen verloren: den Bedürftigen zu helfen.

Es ist immer wieder spannend, wenn man miterlebt, welche Kraft ensteht, wenn sich Lionsmitglieder unter einer Idee vereinigen. Dies gelingt nur mit hochengagierten tollen MItgliedern, die wir in beiden Clubs hatten und haben. Ohne diese Zugpferde bewegt sich der Wagen sonst nicht von der Stelle. Ging es mal hektischer zu, so hat besonders Eckhard Pasewald vieles "entkompliziert" und mit Gelassenheit und Humor ausgestattet, was für mich immer wieder eine Freude war, um den Weg gemeinsam zu gestalten und umzusetzen. Was für eine tolle Leistung, die von allen in so kurzer Zeit auf den Weg gebracht wurde - auch in unserer Außenwahrnehmung. Ich bin voller Stolz - denke ich an unsere Mitglieder. Und wer hätte gedacht, dass wir neues Logo, neues Clubmotto, neue Aufsteller, neue Wimpel und neue Visitenkarten in kürzester Zeit unter Beteiligung aller Mitglieder zu EINEM Ergebnis bringen und bereits zur "Hochzeit" - also bei der Charterung am 7. Mai - realisiert haben würden.

Zu danken ist an dieser Stelle unserem Hochzeitshelfer im Hintergrund, dem Immediate Past Governor Hennes Schulz und den vielen Helfern aus dem Distrikt. In Hennes spontanen Art war er ohne weitere Vorankündigung auch bei unserer Abstimmung über die Fusion (der Verlobung sozusagen) im Dezember 2010 mit dabei - dezent im Hintergrund, doch gewappnet für eine richtungsweisende Argumentation (diese war nicht nötig) oder eine herzliche Gratulation, welche wir nach dem klaren JA der Mitglieder beider Clubs zum Zusammenschluss freudig entgegen nahmen.

Es wird nun wohl wieder ruhigeres Fahrwasser geben und der neue Präsident wird den Noch-Katamaran, der sich mehr und mehr in ein Schiff mit nur einem Rumpf verwandelt, mit festen Hand am Ruder ganz sicher und mit klarem Blick steuern. Steuern in eine Richtung, die Land sieht, ein Land mit besseren Bedingungen für die Bedürftigen, ohne dass die Segler die Freude verlieren, dass ihr Proviant auch ankommen wird.

Davon bin ich fest überzeugt.

Ich wünsche dem neuen Präsidenten Johannes Michels und seiner Crew eine starke Hand, um den Club zu führen und zu lenken, einen klaren Kopf, der frei ist für neue Ideen, Meinungen und Anregungen und ein gutes Herz, das für unsere Bedürftigen schlägt und wahre Bedürftigkeit versteht einzuschätzen. Ich hoffe, er setzt die Strategie AKTIVER, STÄRKER und SICHTBARER fort und macht unser neues Fusions-Clubmotto zur Prämisse: “Menschlichkeit leben - verantwortungsvoll helfen.”

Ohne das phantastische Team beider Clubs wären Eckhard Pasewald und ich nie am Fusionsziel angekommen. Ich bin sehr stolz, Mitglied eines solchen Lionsclubs zu sein.
Jedem Club, der auch vor einer Fusion steht ist zu raten diesen Weg mit Mut anzugehen, es wird wohl nicht ohne kleine Holper auf dem Weg zu machen sein, weil es hier sehr “menschelt” aber wenn die zuvor beschriebene Anziehungskraft da ist - kann wie in jeder Beziehung nichts schief gehen. Wir bleiben fusioniert - bis dass der Tod uns scheidet.
 
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Mit lionistischen Grüßen,
Michael Hohensee
Gründungspräsident Lions Club Berlin-Preußen von Humboldt
michael.hohensee@lcberlin-pvh.de