Der Umgang der Lions miteinander
Auf den ersten Blick ist der Umgang der Lions miteinander in Ordnung. Aber bei genauerem Hinsehen zeigen sich Mängel. In Gesprächen unter vier Augen mit Lions-Freunden verschiedener Lions Clubs und Distrikte hat sich neben sehr positiven Meinungen auch eine nicht unerhebliche Anzahl kritischer Äußerungen ergeben, wie zum Beispiel „Ich fühle mich schlecht informiert”, „Ich fühle mich als neues Lions-Mitglied mangelhaft betreut”, „Das ist nicht mehr ,mein’ Club, ich passe nicht mehr in diesen Club”, „Ich vermisse Toleranz in meinem Lions Club”, „Niemand will ein Amt übernehmen, weshalb sich immer dieselben Aktiven einbringen”, „Mich stört die Unzuverlässigkeit mancher Lions-Freunde” und Ähnliches.
Eine der Hauptursachen für diese Negativ-Ansichten liegt möglicherweise darin begründet, dass wir immer wieder in die gleichen Fallen tappen: Nur negativ kritisieren, nicht zuhören, nach den ersten paar Sätzen anderer in Gedanken eine Antwort formulieren, an formalen Machtpositionen festkleben, auch in den kleinsten Punkten auf der eigenen Position beharren, Haarspalterei, Attackieren, Ungeduld, fehlende Bereitschaft, sich zu informieren (Holschuld) und vieles mehr.
Als die drei wichtigsten Parameter im „Umgang miteinander“ können Offenheit (Vertrauen und Achtsamkeit), Konfliktbewältigung, Respekt und Anerkennung angesehen werden. Korrektheit und Offenheit sollten unseren vertrauensvollen Umgang bestimmen. Respekt und Anerkennung bedingen die Akzeptanz der Persönlichkeit des Anderen und die Wertschätzung für seine Beiträge. Konflikte weisen auf Probleme hin und decken Missstände auf. Wichtig ist konstruktive Kritik anstelle von Schuldzuweisung.
Wie können wir Lions die Qualität im Umgang miteinander steigern? Zum Beispiel durch unsere klaren Spielregeln. Je freier wir leben, desto lauter wird der Ruf nach einer verbindlichen Gemeinsamkeit, eben nach Spielregeln. Aus der Historie sind uns vielfach Regeln und Leitsätze zum Umgang miteinander bekannt:
• Die Zehn Gebote (2.Jhd. v. Chr.) • Regeln des Horaz 65 v. Chr. • Biblische Hinweise wie aufeinander zugehen und den Anderen nicht in Worten und Gedanken verurteilen (Math. 7); Miteinander aufbauend wirken, (Jak. 4,17); Warnung vor der verheerenden Wirkung der Worte (Jak.3,4+5+10); füreinander da sein durch praktische Hilfestellung (Joh. 3,17 ff) etc. • Das Buch vom Hofmann (16.Jhd.) • Ludwig XVI 1787: Benimmregeln „Étiqueté“- • Knigge: Über den Umgang mit Menschen 1788 • Die „Magna Charta der UNO“1946 (unter Mitwirkung von Lions Gründer Melvin Jones) etc.
Allen gemeinsam ist das Bestreben, die Grundlagen des „Umgangs miteinander“ für alle verständlich und akzeptierbar zu regeln. Heute folgt jeder irgendeinem Kodex, wir sprechen vom Verhaltenskodex für Politiker, einem Ehrenkodex für Vorstände und Aufsichtsräte. Ein Kodex für Neuemissionen an der Börse und ein Ehrenkodex der Analysten im Wertpapierhandel sind im Gespräch. Desweiteren lesen wir vom Verhaltenskodex für private TV-Sender, dem Ehrenkodex für Fußballprofis und Journalisten und viele andere.
Wir Lions orientieren uns unter anderem an unseren Ethischen Grundsätzen. Diese, in der neuesten Fassung vom März 2003, sind hochaktuell! Kennen Sie diese Ethischen Grundsätze noch oder haben Sie sie noch nie gelesen? Einer lautet: „Ich werde behutsam sein mit meiner Kritik und freigebig mit meinem Lob, ich will mich bemühen, aufzubauen und nicht zu verletzen“.
Mit lionistischen Grüßen Hennes Schulz District Governor
|